Hausärzte am Limit: Warum unnötige Dringlichkeitsüberweisungen das System überlasten

Liliana Trapp
Liliana Trapp
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Eine Person zeigt auf ein GPS-Gerät auf dem Armaturenbrett eines Autos, umgeben von Gebäuden, Bäumen und einem klaren blauen Himmel.Liliana Trapp

Hausärzte am Limit: Warum unnötige Dringlichkeitsüberweisungen das System überlasten

Eine neue Umfrage in Deutschland zeigt weit verbreitete Frustration unter Hausärzten wegen ungerechtfertigter Dringlichkeitsüberweisungen an Fachärzte. Viele Mediziner berichten, unter Druck gesetzt zu werden, solche Überweisungen auszustellen – selbst wenn sie medizinisch nicht begründet sind. Das Problem betrifft Hundertpraxisstandorte im ganzen Land, wobei keine Region verschont bleibt.

Die Erhebung, an der über 800 Hausärzte bundesweit teilnahmen, ergab, dass etwa 750 von ihnen mit Forderungen nach unnötigen Dringlichkeitsüberweisungen konfrontiert waren. Allein in Nordrhein-Westfalen sahen sich mehr als 200 Hausärzte mit Fachärzten konfrontiert, die auf solchen Anfragen bestanden. Einige Fachärzte gaben zu, Dringlichkeitscodes zu nutzen, um ihre Einnahmen zu steigern – eine Praxis, die eine Minderheit der Hausärzte als nachvollziehbar bezeichnete.

Trotz der Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die es Ärzten verbieten, Patienten abzuweisen, kommt es täglich zu solchen Fällen. Die Hausärzte befinden sich in einem Dilemma: Einerseits müssen sie Dringlichkeitsüberweisungen medizinisch rechtfertigen, andererseits riskieren sie Unzufriedenheit bei Patienten, wenn sie diese ablehnen. Die meisten Ärzte räumen ein, dass das System dringenden Fällen schnellere Behandlung ermöglicht, kritisieren jedoch den zusätzlichen Arbeitsaufwand und die finanzielle Belastung für die Praxen.

Die durchschnittlichen Wartezeiten auf Facharzttermine haben sich seit 2019 verschlechtert. Damals betrugen sie im Schnitt 33 Tage, bis 2024 stieg die Wartezeit auf 42 Tage an. Besonders betroffen sind ländliche Regionen wie Brandenburg, wo auf einen Arzt 237 Einwohner kommen – im Vergleich zu Hamburg mit 124 Einwohnern pro Arzt. Das 2019 verabschiedete Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollte den Zugang verbessern, doch der Bundesrechnungshof stellte fest, dass sich die Wartezeiten trotz höherer Kosten nicht verkürzt haben.

Der Bundesrechnungshof und der GK-Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen fordern nun die Abschaffung der aktuellen Regelungen. Sie argumentieren, das System verursache übermäßige Kosten ohne erkennbaren Nutzen für die Patienten. Der Berufsverband der Fachärzte (SpiFa) betont zwar, dass Überweisungen bei medizinischer Notwendigkeit rechtmäßig seien, räumt aber Missbrauch ein.

Die Umfrage offenbart ein defizitäres System, in dem Hausärzte unter steigendem Druck stehen, Patienten länger warten müssen und die Kosten weiter steigen. Sowohl der Bundesrechnungshof als auch der GK-Spitzenverband drängen auf Reformen, während Ärzte eine gerechtere Balance zwischen dem Zugang zu dringender Versorgung und bürokratischen Hürden fordern. Ohne Veränderungen wird die Belastung für die hausärztliche und fachärztliche Versorgung voraussichtlich weiter bestehen.

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