06 April 2026, 18:33

Von Arbeitsmigranten zu Zwangsarbeitern: Italiener im NS-Regime 1938–1945

Detailierte Karte der Schlachtwege der Italienischen Armee im Ersten Weltkrieg, die geografische Merkmale, Städte, Dörfer und mit Soldatenamen und Ereignisdaten annotiert zeigt.

Von Arbeitsmigranten zu Zwangsarbeitern: Italiener im NS-Regime 1938–1945

Zwischen den späten 1930er-Jahren und 1945 kamen Zehntausende Italiener nach Deutschland – zunächst als Saisonarbeiter, später als Zwangsarbeiter. Ihre Behandlung änderte sich dramatisch, nachdem Italien 1943 die Seiten wechselte und über 600.000 italienische Soldaten unter harte Bedingungen in Gefangenschaft gerieten. Die Haltung des NS-Regimes gegenüber den Italienern war von Widersprüchen geprägt: Einerseits galten sie als nützliche Verbündete, andererseits als "rassisch unerwünscht".

Die italienische Migration nach Deutschland blieb bis in die 1930er-Jahre hinein begrenzt, gehemmt durch Sprachbarrieren und wirtschaftliche Instabilität. Doch ab 1941 benötigte das NS-Regime rund 300.000 Arbeitskräfte, um die für die "Operation Barbarossa" eingezogenen Deutschen zu ersetzen. Italiener wurden angeworben, um die Lücken in den Fabriken zu füllen – zunächst noch als freiwillige Arbeitsmigranten.

Nach dem Waffenstillstand Italiens im September 1943 verschärfte sich die Lage schlagartig. Über 600.000 italienische Soldaten wurden gefangen genommen und als Italienische Militärinternierte (IMI) eingestuft. Im Gegensatz zu klassischen Kriegsgefangenen wurde ihnen der Schutz der Genfer Konvention verweigert, sie wurden entrechtet und zu schwerster Zwangsarbeit gezwungen. Viele litten unter Brutalität, Hunger, Krankheiten oder wurden sogar ermordet – wobei die Bedingungen je nach Lager unterschiedlich waren.

Trotz der grausamen Umstände fanden einige Internierte Wege, sich zu widersetzen oder ihre Identität zu behaupten. Nach Kriegsende kehrten die meisten nach Italien zurück, doch eine Minderheit blieb in Deutschland, oft wegen persönlicher Bindungen, die sie während dieser Zeit geknüpft hatten.

In den 1950er-Jahren stießen neu ankommende italienische Arbeitsmigranten auf Feindseligkeit; sie wurden als Badoglio-Verräter oder abfällig als Itaker beschimpft. Gleichzeitig herrschte in Italien tiefes Ressentiment gegenüber den Deutschen wegen der Besatzungszeit im Krieg. Doch bald setzte sich wirtschaftlicher Pragmatismus durch, und bereits in den 1950er-Jahren waren deutsche Touristen in Italien wieder willkommen.

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Die Erfahrungen der Italiener in Deutschland während und nach dem Krieg wurden von wechselnden politischen Interessen und rassistischen Ideologien geprägt. Zwar verließen viele das Land nach 1945, doch einige blieben und legten damit frühe Grundsteine für die spätere Arbeitsmigration. Das Erbe dieser Zeit beeinflusste die Nachkriegsbeziehungen – eine Mischung aus nachwirkender Feindseligkeit und wirtschaftlicher Zusammenarbeit.

Quelle