Thüringen zeigt: Schulen brauchen dringend Schutz vor digitaler Gewalt
Samira StriebitzThüringen zeigt: Schulen brauchen dringend Schutz vor digitaler Gewalt
Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen: Dringender Bedarf an Präventionsworkshops zu digitaler sexualisierter Gewalt an Schulen
Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen hat den dringenden Handlungsbedarf für Präventionsworkshops zum Thema digitale sexualisierte Gewalt an Schulen aufgezeigt. Fast die Hälfte der Jugendlichen ist von solchen Vorfällen betroffen, doch viele Lehrkräfte und Eltern tun sich schwer, das Problem angemessen anzugehen. Die von der Pädagogin Yasmina Ramdani geleitete Initiative erreichte rund 5.000 Schüler:innen – eine flächendeckende Umsetzung bleibt jedoch lückenhaft.
Von 2020 bis 2023 förderte die Landesbeauftragte für den Kinderschutz in Thüringen Workshops, die sich mit sexualisierter Gewalt im digitalen Raum auseinandersetzten. Yasmina Ramdani hielt Sessions für Schüler:innen der fünften bis achten Klassen ab und thematisierte Risiken wie Cybergrooming – eine Methode, bei der Täter:innen gezielt über Chats Minderjährige ansprechen. Bis 2025 gaben fast ein Viertel der Jugendlichen an, bereits solche Übergriffe erlebt zu haben.
Viele Vorfälle spielen sich in Freundeskreisen oder Klassenchats ab, was die Erkennung für Schulen erschwert. Lehrkräfte fühlen sich oft überfordert, während Eltern ihre eigene Vorbildfunktion für sicheres digitales Verhalten unterschätzen könnten. Expert:innen betonen, dass frühzeitige Prävention weit kostengünstiger ist als die Bewältigung der langfristigen Folgen ungehinderter Gewalt.
Trotz des Erfolgs des Thüringer Projekts gibt es bundesweit keine Daten dazu, wie viele Schulen in Deutschland ähnliche Programme eingeführt haben. Einige Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen haben eigene Initiativen gestartet. Doch Stand April 2026 fehlt in den meisten Regionen nach wie vor ein abgestimmtes Präventionskonzept.
Das Pilotprojekt in Thüringen hat gezeigt, wie wirksam gezielte Workshops gegen digitale sexualisierte Gewalt sein können. Ohne eine breitere Umsetzung bleiben jedoch Tausende Schüler:innen gefährdet. Schulen, Eltern und Politiker:innen stehen nun vor der Aufgabe, solche Maßnahmen auszuweiten, bevor sich das Problem weiter verschärft.






