22 March 2026, 10:32

Streit um RWE-Pipeline: Soll Rheinwasser die Kohlegruben in NRW fluten?

Gemälde des Rheins in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, mit Booten, einer Brücke, Menschen, Bäumen, Gebäuden, Hügeln und einem Himmel im Hintergrund, sowie dem Text "Rhein, Nordrhein-Westfalen, Deutschland" unten.

Streit um RWE-Pipeline: Soll Rheinwasser die Kohlegruben in NRW fluten?

Großes Pipeline-Projekt in Elsdorf gestartet – umstrittene Pläne zur Flutung ehemaliger Kohlegruben mit Rheinwasser

In Elsdorf hat der Bau einer riesigen Pipeline begonnen, mit der ein umstrittenes Vorhaben umgesetzt werden soll: die Flutung der ehemaligen Braunkohletagebaue Hambach, Garzweiler und Inden mit Rheinwasser. Die 45 Kilometer lange Leitung, bestehend aus 10.000 tonnenschweren Rohren, soll das Wasser künftig in die abgebauten Gruben umleiten. Während der Energiekonzern RWE das Projekt als Schritt hin zu neuen Seen und Tourismusattraktionen preist, äußern Umweltschützer und lokale Kritiker massive Bedenken.

Bei der symbolischen Grundsteinlegung am Rand des Tagebaus Hambach bezeichnete RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik das Vorhaben als Zeichen für "Verlässlichkeit und Zukunftschancen". Das Unternehmen wirbt damit, dass aus den gefluteten Gruben Erholungsseen entstehen, Feuchtgebiete geschützt und durch Tourismus Arbeitsplätze geschaffen werden. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller schlug sogar vor, die Gemeinde nach der Umwandlung in "Elsdorf am See" umzubenennen.

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Die Pipeline wird sich über 45 Kilometer erstrecken, mit Abschnitten von bis zu 2,2 Metern Durchmesser. Die Bauarbeiten werden Jahre in Anspruch nehmen, da die wasserrechtliche Genehmigung für die Einleitung von Rheinwasser in den Tagebau Hambach erst im Herbst 2026 in Kraft tritt – vorausgesetzt, die Transportleitung erhält wie geplant im Januar desselben Jahres die Freigabe. Die erste Flutung ist für 2030 vorgesehen, Garzweiler und Inden sollen 2036 bzw. 2030 folgen.

Kritiker hinterfragen jedoch die langfristigen Folgen des Plans. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" warnen vor möglichen Problemen mit der Wasserqualität und Risiken für die Grundwasserstabilität. Der prominente Gegner Andreas Büttgen argumentiert, dass RWEs Abhängigkeit vom Rheinwasser nach hinten losgehen könnte – falls sich das Unternehmen zurückziehe, bleibe die Region auf hohen Kosten sitzen. Zudem verschärft Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region die Sorgen um Wasserknappheit.

Auch rechtlich gibt es noch Hürden: Die Bezirksregierung Arnsberg hat die Genehmigungen für die Einleitung in Hambach noch nicht finalisiert, und die Abstimmung mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt über die Wasserentnahme läuft noch.

Trotz der ungelösten Debatten über die Auswirkungen schreitet der Pipeline-Bau voran. Wird das Projekt wie geplant umgesetzt, wird es die Landschaft der Region bis Mitte der 2030er-Jahre grundlegend verändern – aus Tagebauen werden Seen. Doch angesichts der Umweltrisiken, Genehmigungsverzögerungen und des steigenden Wasserbedarfs bleibt der Ausgang ungewiss.

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