14 March 2026, 12:33

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin kämpft um seine Zukunft und soziale Mission

Eine Zeitung mit der Aufschrift "Democratic Press: A Weekly Journal" auf schwarzem Hintergrund.

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin kämpft um seine Zukunft und soziale Mission

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Auflage. Die monatlichen Verkaufszahlen sind von einst 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 gesunken. Der Einbruch fällt in eine Zeit, in der die Printmedienbranche insgesamt kämpft und die Verkäufer:innen von wachsender Feindseligkeit berichten – besonders gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund.

Das Magazin kostet mittlerweile 3,40 Euro, eine leichte Preiserhöhung, um die gestiegenen Kosten zu decken. Dennoch bleibt es günstiger als ein ÖPNV-Ticket oder ein Kaffee. Für die Verkäufer:innen ist es eine der wenigen Möglichkeiten, ihr Einkommen mit Würde zu verdienen – und gleichzeitig soziale Projekte zu unterstützen.

Ursprünglich als Einkommensquelle für Obdachlose gegründet, ist "fiftyfifty" längst mehr als nur eine Publikation. Es dient als Sprachrohr, deckt Missstände auf und kämpft gegen Diskriminierung. Für viele Verkäufer:innen bedeutet der Verkauf des Magazins Struktur, Zugehörigkeit und ein Stück Sicherheit im Alltag.

Der Auflagenrückgang spiegelt größere Herausforderungen wider: Die Printmedienbranche schrumpft seit Jahren, und Straßenzeitungen stehen unter zusätzlichem Druck. Zwischen 2010 und 2020 haben rund 15 bis 20 ähnliche Magazine in Deutschland – darunter Berlins "Straßenfeger" und Hamburgs "Pflasterstrand" – auf hybride Print-Digital-Modelle umgestellt, um ihre Einnahmen zu stabilisieren. Vorreiter wie die "taz Straßenzeitung" und das "Strassenmagazin" ebneten den Weg, während "fiftyfifty-ObdachLOS" heute wie eine digitale Loskarte funktioniert und Verkäufer:innen auch an Online-Verkäufen beteiligt.

Finanziert wird "fiftyfifty" vor allem über den Magazinverkauf und Spenden. Die Publikation sorgt für Sichtbarkeit der übergeordneten Mission und verbindet Verkäufer:innen, Leser:innen und Gesellschaft. Die Erlöse fließen zudem in Initiativen wie Straßenhilfsprogramme und tierärztliche Versorgung für herrenlose Hunde – und unterstreichen so die Rolle des Magazins als weit mehr als nur eine Einnahmequelle.

Der Rückgang der Auflage zeigt die wachsenden Schwierigkeiten für obdachlose Verkäufer:innen. Steigende Kosten, Branchenwandel und zunehmende Ablehnung machen den Verkauf von "fiftyfifty" immer schwerer. Doch das Magazin bleibt eine wichtige Stütze: Es verbindet Einkommen mit Fürsprache und Gemeinschaft für diejenigen, die sie am dringendsten brauchen.

Quelle