Wie eine griechische Gastarbeiterin 1973 für Lohngerechtigkeit kämpfte
Samira StriebitzWie eine griechische Gastarbeiterin 1973 für Lohngerechtigkeit kämpfte
1971 kam Irina Vavitsa als griechische Gastarbeiterin nach Deutschland. Bald begann sie bei Hella, einem Automobilzulieferer in Lippstadt, zu arbeiten – in Baracken, die einst während der NS-Zeit für Zwangsarbeiter genutzt worden waren.
1973 löste die Ölkrise und eine geplante Lohnerhöhung für deutsche Fachkräfte einen Streik aus. Vavitsa und ihre Kolleginnen und Kollegen forderten gleiche Bezahlung für migrantische Beschäftigte. Der dreitägige Protest endete mit einer Lohnerhöhung von 50 Pfennig pro Stunde für sie.
Die Aktion markierte einen Wendepunkt: Migrantische Arbeiter wurden in die IG Metall integriert. Damals verdiente Vavitsa trotz gleicher ungelernter Arbeit weniger als ihre deutschen und männlichen Kollegen.
Heute wächst in Deutschland langsam eine Erinnerungskultur an die Kämpfe der Gastarbeiter. Gewerkschaften wie die IG Metall haben eine Schlüsselrolle dabei gespielt, diese Geschichten zu bewahren. Mit 76 Jahren ist Vavitsa noch immer in der IG Metall aktiv. Sie setzt sich weiterhin für Arbeitnehmerrechte und eine klassenbewusste Gesellschaft ein. Der Streik von 1973 zeigte die Kraft der Solidarität unter Arbeiterinnen und Arbeitern – unabhängig von ihrer Nationalität.
