Neuer Umweltkonflikt: Warum der "Sündi-Wald" trotz Protesten gerodet wird
Samira StriebitzWas Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - Neuer Umweltkonflikt: Warum der "Sündi-Wald" trotz Protesten gerodet wird
Der "Sündi-Wald" – ein kleines Waldstück östlich des Hambacher Forstes – steht im Mittelpunkt eines neuen Umweltkonflikts. Der Energiekonzern RWE plant, das Gebiet zu roden, um Kies abzubauen – trotz des Widerstands von Aktivist:innen und Naturschutzverbänden.
Der lokal als Sündi bekannte Wald liegt außerhalb des Braunkohle-Kompromisses, der einst den Hambacher Forst rettete. Seine geplante Abholzung hat die alten Spannungen neu entfacht und erinnert an die früheren Proteste gegen den Kohleabbau in der Region.
RWE begründet den Kiesabbau mit der Notwendigkeit, die Ufer eines künftigen Sees im Tagebau Hambach zu stabilisieren. Nach Jahrzehnten des Braunkohleabbaus ist das rheinische Revier von tiefen Kratern durchzogen, die bis zum Ende des Bergbaus 2030 zu künstlichen Seen umgestaltet werden sollen. Das Unternehmen betont, alle artenschutzrechtlichen Prüfungen seien abgeschlossen und die Genehmigungen für die Arbeiten lägen vor.
Im Januar entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass die Rodung des Waldes nicht gegen Artenschutzbestimmungen verstößt – auch nicht gegen die zum Schutz der Bechsteinfledermaus. Doch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW hält dagegen: Es gebe Alternativen, und der Wald besitze einen hohen symbolischen Wert. Kritiker:innen werfen RWE zudem vor, das abgebauten Material nicht nur für Uferbefestigungen, sondern auch für eine geplante Yachtmarina nutzen zu wollen.
Die Fällarbeiten durften offiziell ab dem 1. Oktober beginnen, doch besetzende Aktivist:innen verzögerten die Rodung. Am 20. Oktober griff die Polizei ein, um den Weg für RWE frei zu machen. Die Konfrontation erinnert an die Besetzung des Hambacher Forstes 2018, als Protestierende in Baumhäusern lebten, um die Abholzung zu blockieren.
Mittlerweile wird der "Sündi-Wald" gerodet – trotz anhaltender Proteste. RWE besteht darauf, dass die Arbeiten rechtmäßig und aus Sicherheitsgründen notwendig seien. Gegner:innen sehen darin hingegen einen weiteren Verlust eines funktionsfähigen Ökosystems – im Namen der Nachnutzung des Bergbaus.






