Kulturstreit in Berlin: Warum Künstler das Haus der Kulturen der Welt boykottieren
Torsten BenderKulturstreit in Berlin: Warum Künstler das Haus der Kulturen der Welt boykottieren
Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steht im Mittelpunkt einer hitzigen kulturellen und politischen Kontroverse. Die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket nach Druck durch Kulturminister Wolfram Weimer hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Deutsche Künstler verweigern seitdem aus Solidarität Auftritte in dem Haus, während der internationale Ruf der Institution nachhaltigen Schaden nimmt.
Der Streit begann, als Chefkets Auftritt gestrichen wurde, nachdem er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" getragen hatte – verziert mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels. Die Absage fiel mit dem Jahrestag eines Hamas-Angriffs zusammen und löste Vorwürfe politischer Einmischung aus. Weimers Entscheidung wird als Teil einer konservativen Wende in der Kulturpolitik kritisiert.
Seit März 2026 haben Kürzungen des Bundes bei Programmen wie "Kulturweit" und die plötzliche Schließung des "Goethe-Instituts im Exil" Bedenken über eine schrumpfende Förderung des kulturellen Austauschs geschürt. Weimers Ausschluss "linker" Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis auf der Leipziger Buchmesse heizte die Debatte über Autonomie und Offenheit weiter an. Unterdessen sollte die Ausstellung des Komikers Jan Böhmermann, "Die Möglichkeit des Unvernünftigen", das Profil des HKW stärken – doch sie wurde vom Skandal überschattet.
Das HKW, seit 2023 unter der Leitung des kamerunischen Biologen Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, stand bereits wegen seines "postkolonialen" Programms in der Kritik. Zwar gab es zuvor keine größeren Eklats, doch die aktuelle Auseinandersetzung hat die Vorbehalte verschärft. Trotz seiner Lage in unmittelbarer Nähe zum Bundeskanzleramt wurde die Institution von der Bundespolitik lange ignoriert. Nun rückt sie unfreiwillig ins Rampenlicht – mit verheerenden Folgen für ihr internationales Ansehen.
Mitten im Tumult gastieren im HKW weiterhin internationale Künstler, darunter kürzlich der haitianische Saxophonist Jowee Omicil. Doch die Folgen von Chefkets Absage isolieren das Haus: Kein deutscher Künstler ist mehr bereit, aus Protest dort aufzutreten.
Der Streit um das abgesagte Konzert hat tiefe Gräben in der deutschen Kulturszene offenbart. Mit boykottierenden Künstlern und einem beschädigten Ruf steht das HKW vor einer ungewissen Zukunft. Die Debatte spiegelt zudem die größeren Spannungen zwischen politischer Steuerung und künstlerischer Freiheit im kulturellen Leben des Landes wider.






