Junge Deutsche verlieren das Vertrauen in die Demokratie – was steckt dahinter?
Ingrid LöwerJunge Deutsche verlieren das Vertrauen in die Demokratie – was steckt dahinter?
Junge Menschen in Deutschland zeigen sich zunehmend unzufrieden mit der Demokratie – das geht aus dem aktuellen Demokratiebericht der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen hervor. Die Studie dokumentiert einen deutlichen Rückgang der Unterstützung unter 16- bis 35-Jährigen seit der Pandemie, wobei Sorgen um die Klimapolitik, wirtschaftliche Instabilität und mangelnde Reaktionsfähigkeit der Regierung als Hauptgründe gelten. Gleichzeitig beschleunigt die Konfrontation mit extremistischem Inhalt im Netz die Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen.
Der Bericht verweist auf einen besorgniserregenden Wandel der politischen Einstellungen, insbesondere in den jüngeren Generationen. Zwischen 2020 und 2025 sank die Zufriedenheit mit der Funktionsweise der Demokratie bei den 16- bis 25-Jährigen um 15 bis 20 Prozentpunkte – der stärkste Rückgang aller Altersgruppen. Auch bei den 26- bis 35-Jährigen nahm die Unzufriedenheit deutlich zu. Nur noch die Hälfte der jungen Befragten äußert sich zufrieden mit der Demokratie, während die Unterstützung demokratischer Grundsätze bei den 19- bis 29-Jährigen um zehn Punkte auf 83 Prozent gefallen ist.
Die Studie unterteilt die Bevölkerung in drei Gruppen: 44 Prozent gelten als überzeugte "Demokraten", 42 Prozent als "fragile Demokraten" mit schwankendem Vertrauen und 8 Prozent als "Demokratiegegner", die demokratische Werte rundweg ablehnen. Fast die Hälfte aller Befragten stimmte der Aussage zu, die Gesellschaft würde von "einer starken Partei" profitieren, die den Volkswillen vertritt – ein Indiz für wachsende undemokratische Tendenzen.
Bundesbildungsministerin Karin Prien warnt vor der Verbreitung von Frauenfeindlichkeit, Gewalt und Extremismus in digitalen Räumen. Kinder und Jugendliche stoßen in sozialen Medien, privaten Chatgruppen und sogar in Gaming-Communities auf radikale Inhalte. Die klassische politische Bildung in Schulen kommt gegen diese Online-Einflüsse kaum an und lässt viele junge Menschen anfällig für Manipulation zurück.
Trotz der Herausforderungen zeigt der Bericht auch eine Chance auf: einen starken Wunsch junger Menschen nach mehr politischer Bildung in der Schule. Expert:innen argumentieren, dass die Stärkung demokratischer Kompetenzen durch moderne Lehrpläne helfen könnte, der digitalen Radikalisierung entgegenzuwirken und das Vertrauen in Institutionen wiederherzustellen.
Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, die politische Bildung zu modernisieren, um Online-Gefahren zu begegnen und das Vertrauen in die Demokratie zu stärken. Da fast die Hälfte der jungen Befragten zu den "fragilen Demokraten" zählt, fordert der Bericht gezielte Maßnahmen, um einen weiteren Vertrauensverlust zu verhindern. Schulen und Politik stehen nun vor der Aufgabe, Bildungsstrategien an die Bedürfnisse einer Generation anzupassen, die zunehmend von digitalen Einflüssen geprägt wird.






