Humboldt Forum: Fünf Jahre Debatten über Kolonialismus und kulturelle Verantwortung
Ingrid LöwerHumboldt Forum: Fünf Jahre Debatten über Kolonialismus und kulturelle Verantwortung
Das Humboldt Forum prägt seit Jahren die Debatten über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt – lange vor seiner Eröffnung. Vor fünf Jahren öffnete es seine Türen im prächtigen Bau im Herzen Berlins. Heute setzt sein Kulturprogramm mit Lesungen, Konzerten und Diskussionen Themen wie den Schwund demokratischer Werte und globale Ungerechtigkeit auf die Agenda.
Unter der kreuzgekrönten Kuppel des Humboldt Forums sind das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst untergebracht. 2022 besuchten rund 634.000 Menschen seine Ausstellungen – wobei in der Gesamtzahl auch jene enthalten sind, die nur für ein Selfie im Innenhof vorbeischauten. Im Vergleich zum Louvre, der etwa dreizehnmal so viele Ausstellungbesucher verzeichnet, bleibt die Zahl deutlich zurück.
Die Veranstaltungen des Forums widmen sich oft drängenden Fragen: von Angriffen auf die künstlerische Freiheit bis hin zu Umweltgeschichten. Eine anstehende Diskussion beleuchtet den Fall eines Flusses im Süden Brasiliens, der unter einem Einkaufszentrum verschwand und später als Mahnmal wieder auftauchte. Performances wie Sarah Ama Duahs „to build to bury to remember“ inszenieren Objekte als lebendige Wesen und stellen so die koloniale Perspektive infrage.
Kritiker werfen dem Humboldt Forum vor, es wirke abgehoben von der Stadt. Zwischen Rolltreppen und Betonbrachen bleibe wenig Raum für Reflexion nach den Veranstaltungen. Manche empfinden es als zu monumentale, zu sehr mit der Kolonialgeschichte verknüpft und zu weit entfernt vom städtischen Leben.
Doch die Institution hat sich zu einem Ort der Auseinandersetzung mit schwierigen Geschichten und aktuellen Konflikten entwickelt. Seine Ausstellungen, Aufführungen und Gesprächsreihen ziehen weiterhin Publikum an – auch wenn die Debatten über seine Rolle und Gestaltung anhalten. Das Forum bleibt ein zentraler Kristallisationspunkt für Diskussionen über Kultur, Erinnerung und Gerechtigkeit.
