Felix Banaszak will Männer für den Feminismus gewinnen – doch seine Partei zweifelt
Ingrid LöwerFelix Banaszak will Männer für den Feminismus gewinnen – doch seine Partei zweifelt
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der deutschen Grünen, setzt sich dafür ein, dass sich Männer stärker mit feministischen Ideen auseinandersetzen. Seine jüngsten Initiativen haben eine Debatte ausgelöst – besonders, nachdem er nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den Schauspieler Christian Ulmen Männer zur Selbstreflexion aufgerufen hatte. Doch nicht alle in seiner eigenen Partei teilen seinen Ansatz.
Die Diskussion kommt zu einer Zeit, in der sich junge Männer zunehmend der extremen Rechten zuwenden, während junge Frauen eher linksliberale Parteien bevorzugen. Banaszaks Versuche, diese Kluft zu überbrücken – etwa durch ein Playboy-Interview oder ein pinkfarbenes Büro – haben sowohl Aufmerksamkeit als auch Skepsis hervorgerufen.
Dass Banaszak die Rolle der Männer im Feminismus thematisiert, ist nicht ganz neu. Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Darin argumentierten sie, dass starre Geschlechterrollen nicht nur Frauen, sondern auch Männer schaden. Über ein Jahrzehnt später greift Banaszak diese These wieder auf und betont, dass Männer den Feminismus als etwas begreifen sollten, das auch ihnen zugutekommt.
Sein jüngster Vorstoß begann im Februar mit einem Playboy-Interview, in dem er sich direkt an junge Männer wandte. Der Schritt folgte auf einen besorgniserregenden Trend: Bei der letzten Bundestagswahl stimmten junge männliche Wähler mehrheitlich für die rechtsextreme AfD, während junge Frauen sich für linksliberale Parteien entschieden. Die Spaltung vertiefte sich, als der AfD-Politiker Maximilian Krah in einem Wahlkampfvideo 2024 behauptete, alleinstehende Männer sollten „nach rechts“ tendieren, um leichter Partnerinnen zu finden.
Doch Banaszaks Methoden stoßen selbst in den eigenen Reihen auf Widerstand. Auf einer Sitzung des Bundesfrauenrats hinterfragten einige Mitglieder seine „Männerpolitik“ und die Idee, ein Männerforum bei den Grünen einzurichten. Kritiker befürchten, dass solche Initiativen die Konzentration auf Frauenthemen verwässern könnten. Der Co-Vorsitzende räumt ein, dass sein Ansatz möglicherweise nachjustiert werden muss – zwischen Konfrontation und einem inklusiveren Ton.
Die Debatte berührt auch kulturelle Verschiebungen. Vor 20 Jahren trug der Fußballtorwart Tim Wiese noch ohne viel Aufhebens um seine Männlichkeit pinkfarbene Handschuhe beim Spiel. Heute ist Banaszaks pinkes Büro – als Statement gegen Geschlechterklischees gedacht – ein Gesprächsthema. Seine Botschaft ist klar: Wenn sich Männer freier fühlen, auch als „typisch weiblich“ geltende Eigenschaften anzunehmen, profitieren alle davon.
Aktuelle Ereignisse haben der Diskussion zusätzliche Dringlichkeit verliehen. Nach den Missbrauchsvorwürfen der Schauspielerin Collien Fernandes gegen Christian Ulmen sprach Banaszak offen über die Scham, die er angesichts der Strukturen empfindet, die solches Verhalten ermöglichen. Er rief Männer dazu auf, ihre eigene Mittäterschaft bei der Aufrechterhaltung schädlicher Normen zu hinterfragen, und stellte das Problem als eine Frage kollektiver Verantwortung dar.
Banaszaks Kampagne, Männer für den Feminismus zu gewinnen, hat nicht nur innerhalb der Grünen, sondern auch bei den Wählern Spaltungen offenbart. Mit einer Mischung aus symbolischen Gesten und direkten Appellen will der Co-Vorsitzende der wachsenden Anziehungskraft rechtsextremer Positionen unter jungen Männern entgegenwirken. Ob seine Strategie die Einstellungen verändert – oder auf weiteren Widerstand stößt – bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Diskussion über Männlichkeit, Macht und politische Zugehörigkeit geht weiter.






