Energieeffizienzgesetz: Bundesregierung lockert Regeln für Rechenzentren – Klimaziele in der Kritik
Ingrid LöwerEnergieeffizienzgesetz: Bundesregierung lockert Regeln für Rechenzentren – Klimaziele in der Kritik
Die deutsche Bundesregierung hat Änderungen am Energieeffizienzgesetz verabschiedet und damit die Vorgaben für Rechenzentrumsbetreiber gelockert. Die Reformen reduzieren die Pflichten zur Nutzung von Abwärme und verlängern die Fristen für Effizienzziele. Wirtschaftverbände und Umweltschützer reagieren gespalten auf die Entscheidung.
Nach dem überarbeiteten Gesetz müssen Rechenzentren Abwärme künftig nur noch dann nutzen, wenn ein lokales Fernwärmenetz vorhanden ist. Zudem gelten weniger strenge Effizienzanforderungen: Statt zwei Jahren haben die Betreiber nun vier Zeit, um die Vorgaben zu erfüllen. Die Pflicht zur Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen betrifft zudem nur noch Unternehmen mit einem jährlichen Verbrauch von mindestens 23,6 Gigawattstunden.
Die Frist, bis zu der Rechenzentren ihren Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energien decken müssen, wurde auf 2030 verschoben. Kritiker werfen der Regierung vor, die Klimaziele zu verwässern – schließlich ist der Energieverbrauch in Deutschland seit 1990 kaum gesunken. Ein vorübergehender Rückgang gab es erst während der Coronavirus-Pandemie.
Peter Adrian vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begrüßte die Reformen als „erhebliche Entlastung“ für die Wirtschaft. Katharina Reuter vom Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft hingegen kritisierte, die Bundesregierung habe es versäumt, Klimaschutz und wirtschaftliche Interessen in Einklang zu bringen. Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch sprach von einer „Kapitulation vor den Tech-Konzernen“ und warnte vor höheren Umwelt- und Wirtschaftskosten. Linda Klapdor von Greenpeace forderte strengere Regeln, um eine Abkehr von fossilen Brennstoffen in Rechenzentren zu verhindern – ähnlich wie in den USA, wo solche Entwicklungen bereits zu beobachten seien.
Während die gelockerten Vorschriften den Betreibern mehr Flexibilität und Zeit einräumen, um die Effizienzziele zu erreichen, befürchten Umweltschützer eine Verzögerung beim Übergang zu sauberer Energie. Wirtschaftsvertreter betonen dagegen, die Reformen seien notwendig, um das Wachstum nicht zu gefährden.
