"Die Parabel der Säure": Radikales Theater zwischen Butter, Aktivismus und Körperpolitik
Ingrid Löwer"Die Parabel der Säure": Radikales Theater zwischen Butter, Aktivismus und Körperpolitik
„Die Parabel der Säure“ – ein radikal neues Bühnenstück zwischen Theater, Aktivismus und kulinarischem Experiment
Ein mutiges neues Werk mit dem Titel „Die Parabel der Säure“ hat die Bühne erobert – eine Verschmelzung von Theater, Aktivismus und kulinarischem Grenzgängertum. Sieben Performende, die sich bewusst außerhalb herkömmlicher Körpernormen bewegen, widmen sich fast drei Stunden lang dem Thema Fettsein, betrachtet durch die Linse der Butter.
Die Vorstellung beginnt mit Julie Teuf, die Butter an das Publikum verteilt, es zum Kosten einlädt und zu einer Verlosung bittet. Die Darsteller:innen, in buttergelbe Roben gehüllt, klettern über Butterskulpturen und stellen live auf der Bühne Butter her – ein Prozess, der die Spieldauer bewusst dehnt.
Zwischen diesen Szenen inszenieren sie Ausschnitte aus „The Biggest Loser“, einer Abnehm-Show, und stürzen sich in chaotische, körperbetonte Akte: Sie beschmieren sich gegenseitig mit Gelee, wälzen sich auf dem Boden. Die Gruppe agiert dabei vielschichtig – mal als unterstützendes Netzwerk, mal als Überlebende, mal als vollwertige Band mit kraftvollen Auftritten.
Inspiriert ist die Produktion von Octavia Butlers Roman „Parable of the Sower“ (deutsch: „Die Parabel von der Säerin“). Der französische Titel „La Parabole du Seum“ spielt mit Mehrdeutigkeiten: „Parabel“, „Satellitenschüssel“ und „seum“, ein Slangausdruck für Wut und Bitterkeit. Regie führt die Performerin Rébecca Chaillon, die sich selbst als „schwarze, fette, kinderlose, alternde Lesbe“ beschreibt und damit eine markante Stimme in Frankreichs Kulturdiskurs einbringt.
Im Kern zeigt „Die Parabel der Säure“ eine Gemeinschaft fettpositionierter Menschen, die sich mit den Realitäten ihrer Körper auseinandersetzen. Mit Humor, Trotz und ungebändigter Körperlichkeit stellt die Inszenierung Normen infrage. Die verlängerte Spieldauer, geprägt vom arbeitsintensiven Butterherstellen, unterstreicht dabei die Entschlossenheit der Gruppe, ihre Botschaft zu transportieren.






