Christian Ulmen: Ex-Frau wirft ihm digitale Identitätsfälschung und Missbrauch vor
Torsten BenderChristian Ulmen: Ex-Frau wirft ihm digitale Identitätsfälschung und Missbrauch vor
Schauspieler und Komiker Christian Ulmen sieht sich schweren Vorwürfen seiner Ex-Frau Collien Fernandes ausgesetzt. Sie wirft ihm vor, unter ihrem Namen gefälschte Online-Profile angelegt, explizite Inhalte verbreitet und in ihrer Identität Telefongespräche mit sexuellen Inhalten geführt zu haben. Die Anschuldigungen werfen ein neues Licht auf Ulmens frühere TV-Rollen, in denen er häufig frauenfeindliche Charaktere verkörperte.
Fernandes bezeichnet sein Verhalten als "virtuelle Vergewaltigung" und betont, dass er damit schwerwiegende persönliche Grenzen überschritten habe. Der Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf das größere Problem von Missbrauch und Manipulation in Beziehungen – und wirft die Frage auf, wie solches Verhalten über Jahre hinweg unentdeckt bleiben konnte.
In den mittleren 2000er-Jahren wurde Ulmen durch die ProSieben-Realityshow "Mein neuer Freund" bekannt, in der er wöchentlich einen anderen "schrecklichen Freund" spielte. Das Format sah vor, dass eine Frau ihren neuen Partner ihrer Familie vorstellte, woraufhin der Mann sich absichtlich unmöglich benahm – oft mit dem Ergebnis, dass die Beziehung noch während der Sendung endete. Teilnehmerinnen, die die Demütigungen bis zum Schluss ertrugen, erhielten eine finanzielle Entschädigung.
Eine von Ulmens berüchtigtsten Figuren war Alexander von Eich, ein adliger Schnösel, der seine Freundin mit einem Stock herumkommandierte und sie "Franziskarrrrr!" rief. Seine übertriebene Frauenverachtung war zentraler Bestandteil des humoristischen Konzepts. Rückblickend fragen sich Kritiker nun jedoch, ob solche Darstellungen gewalttätiges Verhalten verharmlost haben.
Als die Beziehung zwischen Ulmen und Fernandes 2010 öffentlich wurde, hinterfragten einige Beobachter – darunter auch die Autorin dieses Textes – ihre Partnerwahl. Heute erscheinen diese frühen Urteile in einem düsteren Licht. Fernandes behauptet, Ulmen habe unter ihrem Namen Fake-Profile erstellt, pornografische Inhalte geteilt und ohne ihr Einverständnis explizite Chats geführt. Im November 2024 erstattete sie Anzeige; laut ihren Angaben gestand Ulmen die Taten aus Besitzanspruch.
Der Fall führt auch zu einer Neubewertung weiterer Projekte Ulmens, etwa "Wer will meine Freundin vögeln?", wo seine Figur die Grenze zwischen Satire und Frauenhass weiter verwischte. Fernandes' Geschichte reiht sich ein in das, was manche das "Schreckenskabinett der Männer, die Frauen verletzen" nennen – eine wachsende Liste realer Fälle, die systemische Gewalt aufdecken.
Das Motto der Missbrauchsüberlebenden Gisèle Pelicot – "Die Scham muss die Seite wechseln" – wird nun im Zusammenhang mit Fernandes' Erlebnissen zitiert. Der Fokus verschiebt sich von der Infragestellung der Opfer hin zur Verantwortung der Täter. Stand 20. März 2026 hat Ulmen die Vorwürfe weder öffentlich zurückgewiesen noch rechtliche Schritte gegen sie eingeleitet.
Fernandes' Anschuldigungen haben eine breitere Debatte über die Grenzen zwischen Unterhaltung und Ausbeutung ausgelöst. Der Fall zeigt, wie frühere mediale Darstellungen von Frauenhass eine neue, beunruhigende Bedeutung erhalten, wenn reale Missbrauchsfälle ans Licht kommen. Ohne eine öffentliche Stellungnahme Ulmens bleibt die Diskussion auf die Frage nach Verantwortung und die langfristigen Folgen solcher Verletzungen für die Betroffenen konzentriert.






