Bachmann-Preis 2024: Glanzvolle Texte und bittere Branchenkritik
Der Bachmann-Preis in diesem Jahr überzeugte mit einer starken Auswahl an Texten, wobei die Jury eine spürbare Qualitätssteigerung im Vergleich zu den Vorjahren feststellte. Die ausschließlich aus sieben Frauen bestehende Jury zeichnete mehrere Autor:innen für ihre eindrucksvollen Werke aus.
Kinga Tóth erhielt den KELAG-Preis für ihren Text über die Kämpfe und alltäglichen Demütigungen eines „Ostblock-Mädchens“. Magdalena Schrefel gewann den kleinsten 3sat-Preis für ihre Erzählung „Kirschen, Herz in der Schlinge“. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für „Vater ohne Sohn“ ausgezeichnet.
Schaette sicherte sich sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für ihren Text „Was wir tragen“. Unterdessen sorgte Slata Roschal für Schlagzeilen, indem sie die Bühne unmittelbar nach ihrer Lesung verließ. Sie weigerte sich, der Jury gegenüberzutreten, und kritisierte später die Literaturbranche für ihre schlecht bezahlten Stipendien und die minimalen Gewinnspannen für Autor:innen. Auch die Jury räumte wirtschaftliche Ungleichheiten in der Literaturszene ein und verwies darauf, dass sich Hierarchien oft in finanziellen Terms messen lassen.
Während der Veranstaltung wurde auf Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ Bezug genommen – eine Szene, in der Gottvater an einem schwülen Sommertag auf der Anklagebank sitzt.
Der Bachmann-Preis 2024 zeigte somit nicht nur literarisches Talent, sondern lenkte auch den Blick auf die strukturellen Herausforderungen der Branche. Die Preisträger:innen erhielten Anerkennung für ihre Arbeiten, während die Debatten über Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Autor:innen den Wettbewerb um eine kritische Komponente bereicherten.
