13 June 2026, 16:22

Angélica Liddells provokantes Seppuku feiert polarisierende Premiere in Wien

Wien-Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells provokantes Seppuku feiert polarisierende Premiere in Wien

Angélica Liddells neues Werk Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben hatte bei den Wiener Festwochen Premiere. Die Inszenierung verbindet Noh-Theater mit ihrer markanten, drastischen Performance-Kunst und hat bereits begeisterte, wenn auch kontroverse Reaktionen beim Publikum ausgelöst.

Die Aufführung rekonstruiert den rituellen Selbstmord des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der 1970 seinen Tod inszenierte. Liddell setzt auf explizite Szenen, darunter autoerotische Akte mit rohem Fleisch und schwarzen Humor. Auch das Verteilen und Verspritzen von (künstlichem) Blut gehört zur Performance.

Für die Produktion sammelte Liddells Kompanie Atra Bilis Teatro Kleidungsstücke Verstorbener, die sie auf der Bühne trägt, um deren Geschichten einzufangen. Das Thema Suizid zieht sich wie ein roter Faden durch das Stück – inspiriert unter anderem von einer Frau, die sich in Madrid in den Tod stürzte.

Das Stück ist Teil des diesjährigen Festivalschwerpunkts Republik der Götter. Weitere Highlights sind Mythen des Alltags und Pfingstspiel von Florentina Holzinger sowie Philippe Quesnes dystopische Inszenierung Der Vampirberg.

Die Aufführung löst starke Emotionen aus und gilt als kompromisslose, mutige Auseinandersetzung mit Tod, Erinnerung und Ritual. Die Wiener Festwochen bleiben damit ihrem Ruf als Plattform für provokantes und experimentelles Theater treu.

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